St. Blasius

Schützenbruderschaft Kinzweiler 1718 e.V.

Get Adobe Flash player

Eine Hinrichtung vor dem

Kinzweiler "Pannhaus" 1686

Erzählung nach geschichtlichen Quellen  

Bild 1   Bild 2

Das Pannhaus - Früher / Heute

War das in St. Jöris am 8. August des Jahres 1686 eine Aufregung! Solch ein Dorfereignis hatte man, soweit sich die ältesten Leute erinnern konnten, noch nicht erlebt! Auf dem "Mertzer pätchen", dem Kleinen, an der "Mertz" vorbei von St. Jöris nach Kinzweiler führenden Pfädchen war ein Mann aus St. Jöris mit einer schrecklich tiefen Kopfwunde tot aufgefunden worden! -

  Wer war der Tote? Wer hatte ihn erschlagen? Wer hatte ihn gefunden?

 Das ganze Dorf fieberte vor Erregung. Die Weiber vergaßen Kochtopf, Waschtrog, Säuglinge und das brüllende Vieh in den Ställen. Man lief hin und her, von einem Nachbarn zum andern, die Dorfstraße hinauf und hinunter. Viele Neugierige standen gestikulierend vor dem Hause des ehrbaren Schöffen Matthias Palandt.

Die Schöffen des Gerichts waren dort schon nahezu vollzählig erschienen. Da - lauter Hufschlag - und mit einem Satz ist der Wundarzt Gelube schon im Flur des Palandtschen Hauses und wird von den Schöffen umdrängt. Er schlägt vor, unverzüglich gemeinsam zum Tatort zu gehen, wo er nach Recht und Gewissen die Todesursache feststellen wolle. - 

 Viel Volk am Tatort! - Der Büttel hat Hände und Ellenbogen zu wenig; aber der laute Bass des Thewiß Palandt und die Bärentatzen des anderen Schöffen Daem Hagen verschafften sich Respekt.

Plötzlich springen ein paar Weiber laut kreischend zur Seite. Beinahe hätte der von Kinzweiler heransprengende Reiter sie über den Haufen geritten. Stille! - Der Reiter berichtet keuchend von seinem triefschweißenden Pferd herunter, das Schultheiß Cotzhausen von Kinzweiler vereist sei! -

Das fehlte noch! - Der alte Palandt fuchtelt mit seinen Fäusten wutentbrannt in der Luft herum. Dann sagt er gelassen: "Mintwegen, dan muß der Palandt die Sach wieder alleene mache". Seine Rechte macht einen Bogen in der Luft: "Dat heeßt, ihr ander Schöffe kriegt och Arbeet!" - Die andern Schöffen und auch der Wundarzt denken jetzt genau dasselbe wie der alte Palandt: "Der Herr Schultheiß von Cotzhausen hätte besser getan, nicht zu verreisen; wozu ist er denn Schultheiß von Kinzweiler und St. Jöris?"

Wunddoktor Gelube nimmt nach Recht und Gewissen die Untersuchung des Toten vor. Gesicht, Hals und Brust sind mit verkrustetem Blut bedeckt. Der Wundarzt stellt fest, daß die Leiche über dem rechten Ohre eine tiefe klaffende Wunde aufweist, die bis ins Gehirn geht. Der Tod sei nach seiner Meinung sofort nach dem mit einem Beil oder einer Axt ausgeführten Schlag eingetreten.

 Im Hause des Schöffen Palandt wurde dann das Protokoll aufgenommen und dem Vater des Erschlagenen, einem fleißigen und geachteten Stellmachermeister, gestattet, die Leiche seines toten Sohnes in sein kleines Häuschen schaffen zu lassen.

Das Leid des alten sollte noch größer werden. Denn was er schon seit gestern vermutet und alle Ortseinwohner seit frühem Morgen munkelten, das schien Tatsache zu sein.     Gleich nach dem Bekanntwerden der gräßlichen Untat hatte sich der Verdacht auf des Erschlagenen Bruder immer mehr verdichtet.    Man wußte, daß dieser mit seinem Bruder am Tage vorher in Warden Stellmacherarbeiten verrichtet und mit dem Erschlagenen auch an diesem Abend zusammen Warden verlassen hatte, um sich über Kinzweiler auf dem Merzer Pfädchen nach Haus zu begeben. -                     Die Folge des Gerüchtes war: Sofortige Vernehmung der Verdächtigen im Hause des Palandt. Der Gefragte gab zu, mit seinem Bruder von der Arbeitsstätte in Warden heimgegangen zu sein; jedoch in Nähe der Pfarrerwiese vor St. Jöris sei der Bruder zurückgeblieben. Darauf sei er weiter gegangen, in der Meinung, sein Bruder werde gleich folgen.  Da die wichtige Frage, ob er oder ein anderer auf dem Heimwege mit dem Erschlagenen in Streit geraten sei, verneint wurde, erfolgte die vorläufige Verhaftung des Verdächtigen.

Am Tage nach der Beerdigung des Erschla-genen floh der Häftling. In Jülich dem Sitz des Hauptgericht für das südwestliche Gebiet des Herzogtums, wohin der Häftling dummerweise geflohen war, ward er schnell wieder aufgegriffen und eingesperrt.

Am 19. Sept. des Jahres 1686 gab´s erneute Aufregung in Kinzweiler und St. Jöris. Der Gerichtsbote in Kinzweiler und der dortige Ge-richtsschreiber Mertens hatten den inzwischen von der Reise zurückgekehrten Ortsbürger-meister von Cotzhausen noch nie so aufgeregt gesehen. Die Kinzweiler und ST. "Joresser" steckten wieder einmal die Köpfe zusammen. Der Gerichtsbote Horneus hatte nicht "dicht" gehalten, sondern seiner Frau verraten, daß ein hochwichtiges , dreimal versiegeltes Schreiben vom Jülicher Hauptgericht beim Schultheißen in aller Frühe abgegeben worden sei. "In peinliche Sach Totschlag", hatte er hinzugefügt, und bald wußten es alle umliegenden Dörfer.

 Der Schöffe Palandt und die anderen Schöffen erfuhren den Inhalt des Schreibens erst amtlich am Nachmittag beim Schultheißen in Kinzweiler. Das Schreiben ergab, daß der Häftling die Tat zugegeben hatte.

 

 

 Schultheiß Johann Bernhard von Cotzhausen, Herr auf Haus Kambach, setzte sich in Positur und las den Schöffen das hochwichtige Schreiben vor. Von den Einleitungssätzen las er mit stätkerer Stimme die Aufforderung: "... den peinlich Beklagten und Inhaftirten darüber vor allen Dingen zu hoeren und dessen Antwort prothocolliren zu lassen". - Dann räusperte er sich und las die einzelnen Punkte der Reihe nach herunter. Diese lauten wörtlich:

1. Setzt also vnd sagt wahr zu seyn, daß in den zehen gebotten, auch Kayssers Caroli des fünften peinlicher haltzgerichts ordnung wohl versehen seye, daß Keiner seinem negsten ahn seinem leib vnd leben schaden oder beleidigen solle.

2. Wahr, daß Inhaftirter einen bruder gehabt, ... geheißen.

3. Wahr, dß peinlich beklagter mit demselben brudern etliche Dage zu Warden bey dess spoelemechers Schwägerin in arbeit gewes vund sie eine newe stellungh (Stallung) gemacht haben.

4. Wahr, daß des abends jedes mahl nach Hauss vund zwar den siebten August jüngst zum letzten mahle zesamend hand nach Haus gangen.

5. Wahr, daß beklagter sein Zimmermanns gezeugh vnd absunderlich die achse bey sich gehabt.

6. Wahr, dasß sein bruder vber wegh den huedt vom haupt abgehabt vnd vermeintlich vberwegs gebetten habe.

7. Wahr, als sie beede vff dem Mertzer pätchen, so von Kintzweiler nach St. Jorres ablauffet, kommen gewessen, daß peinlich beklagter seinembruderen ohne redt vmd dazu gegebener vrsachen mit der achsen vberhalb dem rechten Ohr verwundet.

8 Wahr, daß dise wundt durch die hirnpfan ins haupt vnd gehirn gangen seye, diser gestaldt auch, daß die hirnen sich in der Wunden gezeigt.

9. Wahr, daß der verwundter darauf glich zur erden gefalen und das zeitliche gesegnet habe.

10. Wahr, daß Inhaftirter, nachdem der thodtgeblibene visitirt vnd er vber der sachen bewandtnuss gefragt gewesen, flüchtig worden seye.

11. Wahr, daß er zu Jülich erdappet vnd in hafftungh gebracht seye.

12. Wahr, daß er den thodtschlag bekannt habe.

13. Auch endlich wahr, dass ein gemeines geschreie seye, dass peinlich beklagter seinen bruderen entleibet habe.

Wenn den obigen also is, also pittet fiscalischer anwaldt, den Inhaftirten anderen zum abschewlichen exempel zuvolg der peinlichen haltzgericht ordnung Caroli des fünften ahn leib und leben zu straffen.

                           Praesentatum Kintzweiler

                              am 19. Septembis 1686

Vorführung und Vernehmung des Angeklagten erfolgte noch am gleichen Tage. Das Jülicher Hauptgericht drängte auf Urteilsvollstreckung. Gleichzeitig mit dem Brief an den Schultheißen war der Deliquent überführt worden.                Bei der Vernehmung gab der Täter nochmals den Todschlag zu und bemerkte noch, infolge Vorwürfe seines Bruders wegen Zuspät-kommens zur Arbeit in Warden seien sie unterwegs abermals in Wortwechsel geraten, dabei habe er seinen Bruder in seiner Erregung mit der Axt auf den Kopf geschlagen und die Axt kurz darauf in den Klosterweiher geworfen.

Das Urteil, vom Schultheiß und acht Schöffen unterzeichnet, lautete auf Tod: ..." daß ange-klagter weger der ahn seinem Brudern begangenen vnd bekannten entleibung ... mit dem schwerdt vom Leben zum Todt zu straffen sei, wie wir ihn hiermit dazu verdammen von Rechtswegen".

Eine Prüfung der Akten durch die gelehrte juristische Fakultät der Universitäterwies den Spruch als einwandfrei: Das Urteil könne vollstreckt werden!

Da der Verurteilte auf Befragen erklärte, er habe nichts mehr zu dem Spruch der Richter und zu seiner Verteidigung zu sagen, bereitete er sich auf Vorschlag des Gerichts auf die Versöhnung mit Gott und die Hinrichtung vor.

Vor dem "Pannhus", dem mitten im Dorfe an einem freien Platze gelegenene, streng und ernst dreinschauenden alten Haus, an dem heute die Autos vorbeihasten, ohne daß ihre Insassen das alte, ehemalige Kinzweiler Gerichts- und Brauhaus eines Blickes würdigen, wurde am 16. Oktober des Jahres 1686 das Urteil dem Totschläger öffentlich vorgelesen. Und dann schlug ihm, nachdem er niedergekniet, um Verzeihung gebeten und all die vielen Anwesenden ersucht hatte, im Gebet seiner nicht zu vergessen, der Scharfrichter von Jülich mit seinem großen Schwert auf offener Straße, allen "zum abschewlichen exempel", den Kopf ab.

Die Kainstat war gesühnt.

(Quelle: Heimatblätter des Landkreises Aachen 1939 S. 29-31 / Dr. Oellers) - übertragen aus dem Sütterling

Hilfreiches

 

 

 

Bildergebnis für official facebook logo png

Besucher

49447
HeuteHeute81
GesamtGesamt49447

Aktuelles

 

 

 

 Tag der Schützen 2018

 

 

 

 

 

Förderung der Vereinsarbeit - Mach mit! Werde Mitglied bei Uns!                                          Kontakt    Impressum